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Osteoporose

Vokskrankheit Osteoporose

Unser Skelett ist aus über 200 unterschiedlichen Knochen zusammengesetzt. Es gibt unserem Körper die Form, ermöglicht unsere Bewegungen und gibt uns Halt. Die inneren Organe werden vor Verletzungen geschützt. Die Knochen speichern Calcium, Magnesium und Phosphor. Im  Knochenmark werden rote und weiße Blutkörperchen gebildet. Der Knochen besteht aus einem organischen Anteil (hauptsächlich Kollagen) und einer anorganischen Substanz (hauptsächlich Hydroxylapatit). Je nach Belastung werden die Knochen auf-, ab- und umgebaut.


Unsere Knochen

Zu den knochenspezifischen Zellen gehören die Osteoblasten, die Osteoklasten und die Osteozyten.

Osteoblasten „bauen“:
Sie synthetisieren das Protein der Knochenmatrix sowie weitere Knochenproteine.

Osteoklasten „ klauen“:
Sie sind für die Knochenresorption verantwortlich durch Bildung proteolytischer Enzyme und Salzsäure.

Osteozyten:
Sie sind beteiligt am Transport von Stoffwechselprodukten und der Kommunikation zwischen den Zellen.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Knochenmasse ab. Dieser Abbau beginnt etwa mit dem 40. Lebensjahr. Bis zum 80. Lebensjahr ist ca.die Hälfte des gesamten Knochens abgebaut. Der stärkste Abbau erfolgt bei der Frau in den ersten Jahren nach der Menopause (letzte Regelblutung). Wird Muskulatur abgebaut, wird weniger Kraft auf den Knochen übertragen, dieser reagiert mit einem Abbau von Substanz.

Osteoporose (os = Knochen, poros = Loch) – Was ist das?
Osteoporose beginnt nicht erst, wenn der Knochen bricht. Die Abnahme der Knochendichte ist ein schleichender, anfangs unmerklicher Prozess. Der Knochen unterliegt auch bei jungen und gesunden Menschen einem ständigen Auf- und Abbauprozess. Osteoblasten und Osteoklasten stehen im Gleichgewicht. Zur Osteoporose kommt es beim Überwiegen der Osteoklasten- Aktivität. Die Knochenstruktur wird geschwächt durch eine Verminderung der Knochenmasse und einen Rückgang der Quervernetzungen, d.h. die Knochenarchitektur ändert sich, der Knochen wird weniger stabil und dadurch bruchgefährdet. Gefürchtet sind vor allem Wirbel- und Oberschenkelfrakturen. Bei häufigen unklaren Schmerzen im Wirbelsäulenbereich, Bildung eines Rundrückens und Verlust an Körpergröße oder bei Bestehen einer oder mehrerer Risikofaktoren sollte die Knochendichte gemessen werden, um wirkungsvoll gegensteuern zu können. Etwa 80% der Osteoporose- Erkrankten sind Frauen nach den Wechseljahren, da es durch den Mangel an weiblichen Hormonen zu einer Beschleunigung des Knochenabbaus kommt. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung kommt es aber auch bei Männern immer häufiger zur Entstehung einer Osteoporose, die aber im Gegensatz zu Frauen im Allgemeinen später auftritt.

Risikofaktoren:

  • Erbliche Veranlagung
  • Abstammung (Nordeuropäer und Hellhäutige haben das höchste Risiko)
  • Graziler Körperbau
  • Späte erste Monatsblutung und früh einsetzende Wechseljahre
  • Bewegungsmangel
  • Calcium- und Vitamin D- Mangel (einseitige Ernährung, mangelnde Sonnenexposition älterer Menschen)
  • Missbrauch von Alkohol, Nikotin, Koffein
  • Medikamente (Cortison- Dauerbehandlung, Heparin, zu hoch dosierte Schilddrüsenhormone, Antiepileptika, Immunsuppressiva nach Organtransplantationen)
  • Krankheiten (Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, chron. entzündl.  Darmerkrankungen, Nierenerkrankungen, einige Krebserkrankungen, Blutkrankheiten, Kortisolüberproduktion, Lebererkrankungen)

Vorbeugung
Die Knochenmasse nimmt etwa bis zum 30. Lebensjahr zu. Um einer Osteoporose vorzubeugen, sollte man bereits in jungen Jahren dafür sorgen, dass eine maximale Knochenmasse aufgebaut  wird (Ernährung, Bewegung). Besonders während der Schwangerschaft und Stillzeit und im Alter sollte man auf eine ausreichende Calciumversorgung achten.

  • Ausreichende Versorgung mit Calcium (fettarme Milchprodukte, Mineralwässer mit Calciumgehalt über 200 mg/l)
  • Auf Vitamin D- Zufuhr besonders im Winter (sonnenarme Jahreszeit) achten (fetter Seefisch 1-2 x pro Woche)
  • Viel Obst und Gemüse (Vitamin K, Magnesium, Kalium)
  • Kochsalzzufuhr reduzieren (Kochsalz kann den Ca-Verlust erhöhen)
  • Lebensmittel mit hohem Phosphatgehalt nicht in großen Mengen konsumieren, da die Ca- Resorption behindert wird  (Fleisch, Wurst, Cola, Limonaden)
  • Nicht Rauchen, wenig Alkohol, Koffein in Maßen
  • Bewegung: zügiges Gehen, Schwimmen, gezieltes Krafttraining unter Aufsicht von Fach- personal, keine Sportarten mit erhöhtem Sturzrisiko (z.B. Skifahren)
  • Richtiges Heben, Bücken, Tragen (Rückenschule)
  • Stolperfallen im Haus beseitigen

Calcium
Tagesbedarf nach DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung):
Kinder 600 – 1100 mg
Jugendliche 1200 mg
Erwachsene 1000 mg

Calciumreiche Nahrungsmittel (Ca- Gehalt in mg/ 100 g):

Milcherzeugnisse:
Parmesan 1200
Emmentaler 1100
Edamer 870
Gouda 800
Camembert 600
Mozzarella 400
Quark 150
Kuhmilch 120

Pflanzliche Lebensmittel:
Sesamsamen 780
Haselnüsse 230
Grünkohl 210
Sojabohnen 200
 Leinsamen 200
Feigen, getrocknet195
Brunnenkresse 180
Broccoli 113

Ausgewählte Mineralwässer:
Jeden Tag benötigt unser Körper mind. 1,5 l Flüssigkeit, je nach sportlicher Betätigung oder Jahreszeit (heißer Sommer) auch mehr. Achten Sie beim Kauf von Mineralwasser auf folgende Richtwerte:
Calcium: mehr als 200 mg/l
Magnesium: mehr als 100 mg/l
Natrium: weniger als 50 mg/l

Vitamin D
Für die Aufnahme und Einlagerung von Calcium in die Knochen ist Vitamin D notwendig.

Vitamin D2 = Ergocalciferol (pflanzlicher Herkunft, Bildung unter UV – Einfluss)
Vitamin D3 = Cholecalciferol (tierischer Herkunft), kann vom Körper unter Einfluss von UV-Licht selbst gebildet werden, nach Umwandlung in Leber und Niere liegt die eigentliche Wirkform vor, das Calcitriol.

Menschen, deren Haut aufgrund ihrer Lebensgewohnheiten oder aus Altersgründen selten Kontakt mit Sonnenlicht hat (besonders in den Wintermonaten), sollten auf eine ausreichende Vitamin D- Versorgung achten.

Tagesbedarf nach DGE:
Säugling: 10 µg (400 I.E.)
Kinder, Jugendliche und Erwachsene: 5 µg (200 I.E.)
Personen über 65 Jahre: 10 µg (400 I.E.)

Vitamin D-reiche Nahrungsmittel:

Fette Milchprodukte, Fischleber, Lebertran, Eigelb, Pilze
Hering 26,7 µg/100g
Lachs  16,3 µg/100g
Thunfisch  4,5 µg/100g
Butter   1,2 µg/100g

Feststellung einer Osteoporose
Zur Diagnosestellung berücksichtigt der Facharzt:

  • Krankengeschichte
  • Beschwerden
  • Röntgenbilder von Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Laborparameter
  • Knochendichtemessung

Messmethoden der Knochendichtebestimmung


DXA – Methode

Anerkannte bevorzugte Methode
Spezielle Röntgendiagnostik, geringe Strahlenbelastung
Messungen vorwiegend an Wirbelsäule, Schenkelhals o. Ganzkörper

Quantitative Computertomographie
Höhere Strahlenbelastung
Messungen an Wirbelsäule oder Handgelenk, Ergebnisse nicht unbedingt
übertragbar auf Gesamtskelett
Keine anerkannte Referenzmethode

Ultraschall

Messung überwiegend an Ferse und Finger
Kann nicht als alleinige Basis für eine Therapieentscheidung dienen

Die Knochendichtemessung dient nicht nur der Feststellung einer Osteoporose, sondern auch der Überwachung des Therapieerfolges. Der behandelnde Facharzt kann erkennen, ob die ausgewählten Medikamente ansprechen.


Behandlung der Osteoporose
Die Behandlung gehört in die Hand eines Facharztes.

Basistherapie:

500 – 1000 mg Calcium + 400 – 800 I.E. Vitamin D3

Weitere Informationen finden Sie hier:  

Kuratorium Knochengesundheit e.V.
www.osteoporose.org

Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.
www.BfO-aktuell.de

Dachverband der deutschsprachigen wissenschaftlichen Gesellschaften für Osteologie e.V.

www.dv-osteologie.org

Netzwerk Osteoporose
www.netzwerk-osteoporose.de