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Haare und Nägel

Beratung für gesundes Haar

Haar unter dem Mikroskop

Das Haar wird eingeteilt in das Außenhaar oder Haarschaft und das Innenhaar oder Haarwurzel.

Der Haarschaft besteht aus Haarmark, Haarrinde und aus dem Haarhäutchen (= Cuticula). Dieses besteht aus schuppenförmig angeordneten Keratinzellen, die das Haar gegen Austrocknung schützen. Bei Beschädigung bricht das Haar ab. In der Haarrinde befindet sich das Haarpigment, je mehr, desto dunkler ist die Haarfarbe. Die Struktur der Rinde bestimmt, ob das Haar glatt oder gelockt ist. Die Haare sind mit einem Protein-Lipid-Film überzogen. Falsche Haarbehandlung kann diesen Überzug schädigen.

Die Haarwurzel wird vom Haarfollikel ummantelt. Im unteren verdickten Ende des Follikels liegt die Haarzwiebel, das eigentliche Keimgewebe des Haares, wo die melaninbildenden Zellen sitzen. Darunter liegt die Haarpapille mit den versorgenden Gefäßen. Hier erfolgt das Haarwachstum. Zum Follikel gehört auch die Talgdrüse, deren Drüsengang an der Hautoberfläche endet. Der Haarmuskel, der das Haar bei „Gänsehaut“ aufrichtet, setzt am Follikel unterhalb der Talgdrüse an.

Haartypen:

Lanugohaar: fetales Haar, wird nach der Geburt durch Vellushaar = Wollhaar ersetzt
Intermediärhaar: Kindheit, nur am Kopf, fein, marklos
Terminalhaar: ab Pubertät, lang, dick, markhaltig, pigmentiert

Haarwachstum:
Die Haardichte am Kopf beträgt 300 bis 900 Haare pro cm². Im Alter nimmt die Haardichte ab. Täglich verliert der Mensch bis zu 100 Haare. Ein Kopfhaar ist durchschnittlich 0,08 mm dick. Pro Monat wachsen die Haare ungefähr 0,5 bis 1 cm. Das Wachstum der Haare unterliegt einem Haarzyklus:

Anagenphase = aktive Haarbildung (2-6 Jahre)
Katagenphase = Übergangsstadium (2 Wochen)
Telogenphase = Ruhephase (3-4 Monate).

Mit Ende der Telogenphase wird das Haar ausgekämmt oder fällt aus. Eine neue Haarwurzel wird gebildet und der Haarzyklus beginnt wieder mit der Anagenphase. Bei normalem Zyklusablauf finden sich beim Erwachsenen 85% der Haare in der Anagenphase, 1% in der Katagenphase und 14% in der Telogenphase.

Ergrauen der Haare:
Die Haarfarbe entsteht aus melaninbildenden Zellen (Melanozyten). Im Haarfollikel befinden sich „Vorstufen“ dieser Zellen (Melanozyten-Stammzellen). Die Abnahme der Haarfarbe hängt nach neuesten Erkenntnissen von der Abnahme des Melanozyten-Stammzellen- Reservoirs im Laufe des Lebens ab. Der Pigmentgehalt der Haare verringert sich und durch Lufteintritt zwischen die Keratinfasern erscheint das Haar weiß.

Haarausfall (Alopezie)
:
Im Herbst kommt es bei vielen Menschen zu einem gesteigerten Haarausfall, der physiologisch ist. Kommt es über mehrere Wochen zu einem verstärkten Haarausfall, sollte der Arzt konsultiert werden. Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) kommt familiär gehäuft vor und ist in jedem Lebensalter möglich. Außer dem Kopf können auch Augenbrauen, Wimpern, Extremitäten oder andere behaarte Körperteile betroffen sein. Bei der androgenetischen Alopezie und dem diffusen Haarausfall ist nur die Kopfbehaarung betroffen.

Ursachen des Haarausfalls:

  • androgenetische Alopezie: genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln am Kopf auf männliches Sexualhormon. Frauen sind häufig nach den Wechseljahren betroffen (verminderte Estrogenproduktion)
  • hormonelle Umstellungen: Schwangerschaft, Einnahme von oralen Kontrazeptiva
  • Mangel an Vitaminen, Spurenelementen, Eisenmangel
  • psychische Überbelastung
  • Erkrankungen: Durchblutungsstörungen, Leberentzündungen, Diabetes, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Erkrankungen der Haarwurzel, Arzneimitteleinnahme: Heparin, Isotretinoin, Zytostatika
  • Schädigung der Haare durch äußerliche Einwirkung: aggressive Dauerwellpräparate, schlechtes Haarefärben, zu langes und zu heißes Fönen, straffe Frisuren (Pferdeschwanz), übertriebene Sonnenexposition

Haarpflege:
mildes Haarwaschmittel mit gleichzeitig guter Waschkraft, dabei keine zu starke Entfettung der Haare, gute Abspülbarkeit, keine Reizwirkung auf Schleimhäute.

Bei der Haarwäsche auf die Reinigung der Kopfhaut achten, da sich hier Schmutz und Staub mit dem Sekret der Talgdrüsen verbinden und einen idealen Nährboden für Bakterien bilden

  • Haare nicht zu heiß und zu lange fönen
  • übermäßige Sonneneinwirkung vermeiden
  • bei trockenem Haar (verminderte Talgproduktion der Kopfhautdrüsen) rückfettende Shampoos verwenden
  • bei zu starker Produktion der Talgdrüsen milde Shampoos, wenn nötig täglich benutzen, eine zu starke Entfettung stimuliert die Talgdrüsenfunktion unnötig
  • Shampoos gegen Schuppen enthalten schuppenlösende (keratolytische) und antimikrobielle Wirkstoffe

Die Nägel bedecken die Zehen- und Fingerendglieder. Sie haben Schutz- und Stabilitätsfunktion. Verhornte Epithelzellen, die dachziegelartig angeordnet sind, bilden die Nagelplatte. Die Nagelplatte ist ungefähr 0,5-0,7 mm dick. Sie liegt auf dem Nagelbett. Unter dem weißen Nagelmond (Lunula) beginnt die Zone der Nagelbildung. Hier wird der Nagel durch das Nagelhäutchen begrenzt. Die seitlichen Vertiefungen nennt man Nagelfalz. Die Form der Nägel ist individuell stark unterschiedlich. Im Schnitt wachsen Fingernägel ungefähr 1 mm pro Woche. Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich das Nagelwachstum.

Nagelveränderungen:
Viele Allgemeinerkrankungen des Organismus führen zu einer Veränderung der Nagelstruktur. Alle Nagelveränderungen sollten ärztlich untersucht werden.

Weiße Punkte oder Streifen:
Diese können durch kleine Verletzungen bei der Maniküre oder beim zu kräftigen Zurückschieben des Nagelhäutchens verursacht werden.

Tüpfelnägel:
Bilden sich an mehreren Nägeln stecknadelkopfgroße Dellen, kann dies ein Zeichen für Schuppenflechte sein. Hier lösen sich Hornzellen von der gesunden Nagelplatte.

Brüchige und splitternde Nägel:
Zu häufiger Kontakt der Nägel mit alkalischen Seifen, Putzmitteln, austrocknenden Nagellacken oder Nagellackentfernern verursacht oft dieses Nagelproblem.

Furchen:
Querfurchen können durch Verletzungen des Nagelbettes oder als Folge von schweren Infektionen auftreten. Längsrillen treten vor allem im Alter auf und sind meistens harmlos.

Verfärbungen:
Nikotin, häufige Verwendung von Nagellack oder Nagelpilz können eine Gelbfärbung des Nagels verursachen. Auch chronische Entzündungen der Bronchien oder Lymphgefäßerkrankungen können die Nagelplatte gelb werden lassen. Bei dunklen Flecken unter dem Nagel muss ein Muttermal von einem Bluterguss unterschieden werden.

Löffelnägel:
Die Nägel wölben sich wie ein Löffel nach oben. Häufige Verletzungen, Kontakt mit Chemikalien, ständig feuchte Wärme können diese Nagelveränderung verursachen. Auch Schilddrüsen- oder andere Stoffwechselerkrankungen können die Ursache hierfür sein.

Uhrglasnägel:
Die Fingernägel sind nach unten gewölbt. Die Nagelform kann auf verschiedene Erkrankungen (Herz, Lunge, Leber) hinweisen oder aber erblich bedingt sein.

Nagelpflege bei empfindlichen Nägeln:

beim Putzen, Spülen, Gartenarbeiten Schutzhandschuhe tragen
Nägel eher kurz halten, besser Feilen als Schneiden oder Knipsen, da hierbei die Nägel leichter splittern
nur in eine Richtung feilen, am besten jeweils zur Mitte hin, Glasfeilen sind so fein, dass man hier auch in wechselnder Richtung feilen darf
Nagelbalsam verwenden

Empfohlene Nahrungsergänzung zur Verbesserung von Haar- und Nagelqualität:

  • Biotin
  • Zink
  • Vitamin B- Komplex
  • Eisenzufuhr bei nachgewiesenem Eisenmangel
    Einnahme über 3 bis 6 Monate

Biotin
Biotin, häufig auch als Vitamin H bezeichnet, gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Biotin kann vom Organismus mit Hilfe von Darmbakterien auch selbst gebildet werden.
Vorkommen: Leber, Eigelb, Nüsse, Sojabohnen, Reis
Funktion: Unterstützung von Enzymfunktionen
Mangel:

  • wurde beim Menschen nach Zufuhr von viel rohem Ei klar beobachtet (enthält einen Biotin-bindenden Stoff)
  • angeborener Enzymmangel (Freisetzung von Biotin aus der  Nahrung kann nicht erfolgen)

Mangelsymptome: Hautausschlag, Haarausfall, Angstzustände, Taubheitsgefühle, Muskelschmerzen
Tagesbedarf nach DGE (Deutsche Gesellschaft f. Ernährung): 30-60 µg (Erwachsene)
Negative Reaktionen bei Überdosierung sind nicht bekannt
Nach der orthomolekularen Medizin (Lehre von der optimalen Versorgung des Organismus mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Amino- und essentiellen Fettsäuren zur Gesunderhaltung und Verbesserung der Gesundheit des Einzelnen) wird Biotin bei Haarausfall und brüchigen Fingernägeln in einer Dosierung von 2,5 – 5 mg pro Tag empfohlen. (3-6 Monate lang)

Zink
Zink spielt eine wesentliche Rolle im Stoffwechsel des Cysteins, der wichtigsten Aminosäure für den Aufbau des Haarkeratins.
Vorkommen: Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier
Empfohlene Zufuhr nach DGE: 7-10 mg pro Tag (Erwachsene)
Empfohlene Zufuhr bei Haarausfall nach der orthomolekularen Medizin: 15-25 mg pro Tag über 3-6 Monate

Behandlungsmöglichkeiten bei erblich bedingtem Haarausfall
(androgenetische Alopezie)

Minoxidil
Diese Substanz wurde ursprünglich in den USA als Bluthochdruck-Mittel zugelassen. Als Nebenwirkung wurde eine vermehrte Körperbehaarung beobachtet. Mit Anwendung auf der Kopfhaut soll der Haarwuchs durch eine verbesserte Durchblutung der Haarpapille angeregt werden, aber keine Blutdrucksenkung erfolgen. Minoxidil ist als 5%ige Lösung für Männer bei androgenetisch bedingtem Haarausfall verfügbar. Seit März 2004 ist für Frauen eine 2%ige Lösung zugelassen. Die Lösung wird 1x täglich auf die Kopfhaut im Bereich des Haarausfalls aufgetragen. Diese Substanz ist rezeptpflichtig.

Finasterid
Zur Behandlung der gutartig vergrößerten Prostata (benigne Prostatahyperplasie) wird Finasterid in einer Dosierung von 5 mg täglich eingesetzt. Als Haarwuchsmittel bei androgenetisch bedingtem Haarausfall bei Männern ist es in einer Dosierung von 1 mg täglich zugelassen. Finasterid hemmt das Enzym 5-alpha-Reduktase, d.h. die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (biologisch wirksame Form des männlichen Hormons) wird gehemmt. Auch diese Substanz ist rezeptpflichtig und führt nicht immer zum Erfolg.

Alfatradiol = 17-alpha-Estradiol
hemmt die 5-alpha-Reduktase in der Haut. Lösung zur Anwendung auf der Kopfhaut für Männer und Frauen bei leichter androgenetischer Alopezie (1x täglich)